Vogelschutz an HAVAG-Haltestellen

Haltestelle im Grünen mit wirkungslosen Vogelschutzsymbolen (Dreieecke)

Sie sind wahre Vogelkiller. Nein, es geht nicht um Windräder, sondern um Glasscheiben. Dabei ließe sich das Risiko mit relativ einfachen Maßnahmen drastisch reduzieren. Die HAVAG müsste an ihren Haltestellen beispielsweise lediglich ihre aktuell genutzen, nachgewiesenermaßen wirkungslosen Vogelschutzmuster ersetzen. Wir wollen, dass sie dafür eine Strategie inklusive einer Prioritätenliste entwickelt.

In Deutschland sterben jedes Jahr Millionen von Vögeln durch Kollisionen mit Fenstern, anderen Glaselementen an Gebäuden sowie weiteren Glaskonstruktionen. Schätzungen zufolge kommt es pro Jahr zu mehr als 100 Millionen Kollisionen, von denen vermutlich mindestens die Hälfte tödlich endet (LAG VSW 2017, S. 63-67). Vögel können durchsichtiges Glas ebenso wenig erkennen wie ungebrochene Spiegelungen der Umgebung. Glas stellt daher eine große, wenn nicht die größte Gefahr für Vögel dar.

Fahrgastunterstände sind in der Regel an mindestens zwei, oft auch an drei Seiten verglast und ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen eine potenzielle Gefahrenquelle für Vögel. Vögel, die mit den Glasflächen kollidieren, erleiden oft schwerste Verletzungen. Diese führen zwar nicht immer zum unmittelbaren Tod an Ort und Stelle, mindern aber in jedem Fall die Überlebenschancen erheblich. Die Anfälligkeit für Vogelschlag ist hierbei stark von den Umgebungsbedingungen abhängig. Fahrgastunterstände und sonstige Glaselemente im Haltestellenbereich in stark verdichteten, urbanen Gebieten haben ein deutlich geringeres Risiko als solche in der Nähe von Grünflächen wie Parks, Friedhöfen oder Waldgebieten.

An Haltestellen der HAVAG kommen aktuell sowohl stilisierte Vogelsilhouetten in Dreiecksform als auch einzelne Streifen mit großem Abstand zum Einsatz. Beide Muster sind zur Verhinderung von Vogelschlag allerdings ungeeignet (BUND NRW e.V. 2017). Es gibt jedoch eine Reihe anderer Muster, die problemlos verwendet beziehungsweise nachgerüstet werden können und deren Eignung in robusten empirischen Tests bestätigt wurde (z.B. Linienmuster, geschwungene oder gepunktete Formen mit geringen Abständen) (ebd.). Immer mehr Kommunen greifen auf diese Muster zurück. So haben beispielsweise Potsdam, Meißen und Leipzig ihre Fahrgastunterstände entsprechend nachgerüstet. In Bonn wurde hierzu sogar ein Priorisierungssystem entwickelt.

Wir schlagen daher vor, sich am Vorgehen der Stadt Bonn und ihrer Stadtwerke zu orientieren und die Fahrgastunterstände sowie umliegende Glaselemente schrittweise auf Basis einer Prioritätenliste nachzurüsten. Dabei können Gelegenheiten wie der notwendige Ersatz einzelner Verglasungen oder Baumaßnahmen genutzt werden. Langfristig sollten nur noch erwiesenermaßen wirksame „Vogelschutzsymbole“ (Formulierung der Stadtverwaltung, s. Antwort auf Anfrage VII/2024/07232) verwendet werden.

Diese Initiative im Bürgerinformationsportal der Stadt Halle ansehen.

Update

Im Sozial-, Gesundheits- und Gleichstellungsausschuss wurde unser Antrag aufgrund einer Fehlinterpretation der Verwaltungsstellungnahme mehrheitlich für erledigt erklärt. Der Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt und Ordnung lehnte ihn knapp mit Patt ab. Die Abstimmung im Stadtrat schließlich endete 21:27. Gegen den Antrag stimmten AfD, CDU, Hauptsache Halle und FDP/FREIE WÄHLER sowie der Oberbürgermeister.