Bei vielen Menschen aus Halle und der Umgebung ist das letzte Augustwochenende im Kalender fett markiert. Dann steigt traditionell das Laternenfest, ein echtes Herzensfest – stimmungsvoll, farbenprächtig, identitätsstiftend. Doch steigende Kosten und neue Anforderungen zeigen: Wir müssen uns Gedanken machen, wie es ab 2027 mit dem Laternenfest weitergehen soll – und das am besten gemeinsam mit allen interessierten Hallenser*innen.
Das Laternenfest besitzt eine identitätsstiftende Funktion für unsere Stadt. Es ist eines der ältesten und – mit zuletzt 200.000 Besuchenden – eines der bedeutendsten Volksfeste in der Region. Es bietet Raum für Begegnung, stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl und wird wesentlich von der lokalen Kultur- und Vereinslandschaft getragen. Gleichzeitig haben sich sowohl die Rahmenbedingungen als auch die Erwartungen der Bürger*innen, der Vereine, Gewerbetreibenden und weiterer Akteure an öffentliche Veranstaltungen in den letzten Jahren spürbar verändert. Themen wie Nachhaltigkeit, Sicherheit, Barrierefreiheit und Wirtschaftlichkeit gewinnen zunehmend an Bedeutung.
Im April 2025 wurde deutlich, dass die Kosten für das Laternenfest 2025 erneut signifikant ansteigen würden und sich auf mittlerweile rund 1,25 Millionen Euro belaufen. In der Folge formulierte der Finanzausschuss den klaren Auftrag an die Verwaltung, Vorschläge zur zukünftigen Ausgestaltung des Laternenfestes ab dem Jahr 2026 zu erarbeiten. Diese sollten abgestufte Varianten hinsichtlich Konzept und Finanzierung (z. B. Verkleinerung des Festgeländes, reduzierte Programmgestaltung und ggf. verringerte Infrastrukturkosten) berücksichtigen. Dem ist die Verwaltung leider nicht ernsthaft nachgekommen, da sie mit dem vorliegenden Variantenbeschluss keine handhabbaren Alternativen aufzeigt. Daher sehen wir den Bedarf, auf anderem Wege zu einer Lösung zu kommen und schlagen die Durchführung eines strukturierten Beteiligungsprozesses vor.
Das bevorstehende 100-jährige Jubiläum des Laternenfestes im Jahr 2028 bietet die Gelegenheit, das Laternenfest in seiner gegenwärtigen Ausgestaltung auf den Prüfstand zu stellen und gegebenenfalls eine Überarbeitung des Konzeptes anzustoßen. Um eine zukunftsfähige Weiterentwicklung des Laternenfestes zu ermöglichen, ist es erforderlich, frühzeitig ein breites Meinungsbild einzuholen und die Expertise derjenigen einzubeziehen, die das Fest mitgestalten oder maßgeblich von dessen Ausgestaltung betroffen sind. Ein strukturiertes Beteiligungsformat bietet die Chance, Bedürfnisse und Ideen transparent zu sammeln, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und Konfliktlinien frühzeitig sichtbar zu machen. Dadurch können tragfähige Konzepte entwickelt werden, die von einer breiten Mehrheit getragen werden und langfristige Planungssicherheit schaffen.
Die Durchführung eines Beteiligungsprozesses fördert nicht nur die Identifikation mit dem Laternenfest, sondern stärkt auch die Akzeptanz politischer Entscheidungen. Er ist ein wichtiger Schritt, um das Fest den heutigen Anforderungen anzupassen, Innovationen zu ermöglichen und seine Rolle als bedeutendes kulturelles Ereignis in unserer Stadt zu sichern. Denkbar wäre beispielsweise den Auftakt der Bürgerbeteiligung auf das Laternenfestwochenende 2026 zu legen und sowohl auf dem Festgelände als auch an einem zentralen Ort außerhalb eine Befragung von sowohl Besucher*innen als auch Nichtbesucher*innen durchzuführen. In diesem Rahmen könnte etwa geklärt werden, ob die Bevölkerung ein einmaliges Pausieren im Jahr 2027 oder sogar einen zweijährigen Rhythmus mittragen würde.
Als mögliche Deckung für die damit verbundenen Aufwendungen könnte das Produkt 1.12102 Wahlen herangezogen werden. In der diesem Produkt zugeordneten Leistung 1.12102.06 „Sonstige Wahlen und Abstimmungen“ sind Sachkosten in Höhe von 30.000 Euro für mögliche Abstimmungen und Wahlen auf kommunaler Ebene eingeplant.
Diese Initiative im Bürgerinformationsportal der Stadt Halle ansehen.
Update
Die Wege des Stadtrats sind mitunter unergründlich. Trotz breiter Kritik am Vorgehen der Stadtverwaltung entschied sich der Stadtrat mehrheitlich, deren Vorschlag zu folgen und den Status quo beizubehalten. Entsprechend wurde auch unser Änderungsantrag deutlich abgelehnt.
